HDSurround >> Dolby Digital Plus: Chancen und Visionen
Autor: Patrick Kurmann unter www.dvdsurround.ch (2004)
Die "Fakten"
Fleissige Audiovision-Leser werden wohl in der Ausgabe 12/2003 die kleine,
aber höchst interessante Info-Tafel "2004: DDplus" nicht
übersehen haben. Von einem neuen Tonformat aus dem Hause Dolby Labs.
ist die Rede. Echte Fakten sind noch rar, zumal die Informationen von
inoffizieller Natur sind, da Dolby selbst noch keine Ankündigungen
gemacht hat oder Stellung dazu bezogen hat.
"Dolby Digital Plus" soll die neue Version heissen, welche ab
Sommer 2004 in Serie gehen soll. Vielleicht ist der Name auch nur für
das neue Projekt festgelegt und das neue Format einen anderen verheissungsvollen
Namen tragen wird. Folgende technische Verbesserungen sollen dem neuen
Format zu grosser Durchsetzungskraft verhelfen. Wobei hier das im Titel
stehende Wort "Fakten" in Anführungs- und Schlusszeichen
steht. Das Format ist noch in der Entwicklungsphase und eine volle Gewissheit
gibt es bei keinem der aufgeführten Punkte.
- 96 kHz Abtastrate und 24 Bit Wortlänge gleich der DVD-Audio und Multichannel-SACD, sowie auch Konkurrentsformat DTS 96/24
- zusätzliche Kanäle, wahrscheinlich frei konfigurierbar
- Höhere Bitraten bis zu 1'536 kbps gleich der vollen DTS-Bitrate
- alternative Codiermöglichkeiten: AAC, welches äusserst gute Resultate im Niedrig-Bandbreitenbereich liefert und MLP, dem verlustfreien Kompressionsverfahren, welches bereits bei der DVD-Audio eingesetzt wird.
Der Grund:
Die Gründe von Dolby jetzt ein neues Tonformat in die Welt zu setzen, dürften ganz gewiss zu einem grossen Teil bei der Konkurrenz DTS zu suchen sein. Wie Audiovision in einem Satz bereits treffend sagte, dass es Dolby wohl langsam aber sicher leid ist, dauernd mit anderen Formaten verglichen zu werden. Die Vorteile von DTS, welche allesamt für bessere Klangqualität als bei Dolby Digital sorgen sollen, liegen auf der Hand:
- Höhere Bitrate
- perfekte Kanaltrennung (Dolby Digital fasst aufgrund Speicherplatz-Einsparungen im Hochtonbereich einige Toninformationen verschiedener Kanäle zusammen)
- eigener diskreter Kanal für den Surround Back Kanal bei Surround EX codierten Tonabmischungen
- alternatives psychoakustisches Tonkomprimierungsverfahren (Vorteil gegenüber AC-3 Kompression jedoch umstritten)
- Möglichkeit zur Codierung in 96 kHz und 24 Bit um auch audiophile Ohren zufrieden zu stellen (DTS 96/24)
Auch Microsofts Windows Media Format WMA soll gegenüber Dolby Digital dank effizienterer Komprimierung im Bereich niedriger Bitraten eine bessere Tonqualität aufweisen.
Über mangelnde Vorherrschaft braucht sich Dolby keine Sorgen zu machen,
schliesslich ist Dolby Digital Weltstandard bei Mehrkanal-Ton und aufgrund
des unüberschätzbaren Vorteils der Abwärtskompatibilität
(dazu später mehr) im DVD-Standard vorgeschrieben. DTS kann in diesem
Punkt nur einen kleinen Teil des Erfolges von Dolby vorweisen. Das kann
also kein Grund sein für Überlegungen ein neues Tonformat zu
kreieren.
Hier geht es klar um die leidige Rolle von Dolby, welche die Firma nicht
mehr spielen will: Dolby Digital als robustes und universell einsetzbares
Tonformat, welches jedoch nie die wirkliche High-End Klasse erreicht.
Des
Weiteren ist seit der Einführung von Dolby Digital anno 1992 im Film
"Batman Returns - Batmans Rückkehr" viel Zeit vergangen
und somit auch Zeit für etwas Neues, damit wieder frischer Wind in
die Segeln kommt und der Konkurrenz wieder das Fürchten gelehrt wird.
Dolby Digital wurde ursprünglich für den 35mm-Film entwickelt,
wo eine möglichst niedrige Bitrate eine akzeptable Klangqualität
liefern soll. Diese Bitrate liegt übrigens im Kino bei 320 kbps,
noch weniger als Dolby "Spar" Digital auf DVD in 384 kbps. Die
Zeiten haben sich nun geändert. Der 35mm-Film wird, wenn auch sehr
schleppend, verschwinden und durch komplett digitale Wiedergabe ersetzt,
wo jedes Tonformat sich leisten kann eine dicke Bandbreite zu füllen.
DTS wird ja bereits heute schon nicht ab der Filmrolle gelesen, sondern
ab CD-ROMs, welche mit dem analogen Film synchron abgespielt wird. Bezüglich
DVD herrscht ebenfalls genug Platz für hohen Bitraten (sofern nicht
im Übermass). Zukünftige Formate wie die HD-DVD (Advanced Optical
Disk) oder die Blu-Ray-Disk werden erst recht massenweise Speicherplatz
liefern.
Die technischen Gegebenheiten haben sich geändert und somit darf auch dies als guter Grund gelten, dass es nun die Zeit für reif für Dolby ist.
Abwärts-Kompatibilität - Eine Grundfrage
Von elementarer Bedeutung, und von früheren Fällen immer wieder bestätigt, ist die Fähigkeit eines Tonformats abwärtskompatibel zu bisherigem oder den vorgängigem Format zu sein. Also, dass es möglich ist, das neue Tonformat mit bisherigen Geräten, welche bisher nur dem alten Standard mündig waren, abzuspielen. Natürlich ohne dessen neue Vorteile entlocken zu können. Jedoch mindestens zum Punkt, an welchem das neue Tonformat an jedem herkömmlichen Tonwandler-Gerät (hier der DVD-Spieler und/oder Mehrkanal-Verstärker) ohne nennenswerte Nachteile gegenüber dem alten Format gewandelt werden kann.
Als Beispiele für gelungene Abwärtskompatibilität dürfen gelten:
- Das Dolby Digital Tonformat selbst, welches von jedem DVD-Player automatisch auf zwei Kanäle (sofern überhaupt mehrkanalig) downgemixt wird und so auch nutzbar wird für die sehr häufig vorkommenden Tonwiedergabe-Geräte ohne Mehrkanal-Decoder. Dies ist bekanntlich der Hauptgrund, weshalb Dolby Digital im DVD-Standard bei Mehrkanal-Software vorgeschrieben ist.
- Die Hybrid-SACD. Sie enthält neben der neuen hochauflösenden Super-Audio-CD-Schicht auch die gute alte CD-Schicht, welche von (praktisch) jedem weltweit verbreiteten CD-Player gelesen werden kann.
- Das MP3Pro Format,
welches sich zwar erstaunlich langsam durchsetzt (zum grössten
Teil markstrategisch bedingt). Eine MP3-Pro Tonspur enthält neben
der normalen MP3-Spur eine erweiterte SBR (Spectral Band Replication)
Spur, welche insbesondere die hohen Frequenzen enthält, welche
beim herkömmlichen MP3-Format bei niedrigen Bitraten unverhältnismässig
hoch in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein nicht MP3Pro-fähiger
Decoder überliest diese SBR-Spur ganz einfach und kann deshalb
mit den Daten etwas anfangen.
Obwohl die Abwärtskompatiblität nicht ganz perfekt ist, da die SBR-Spur auch Daten-Teile enthält, welche vorher in der normalen MP3-Spur zu finden waren (ohne hier zu stark ins Detail zu gehen), ist die Technik der Abwärtskompatibilität trotzdem als recht gelungen zu bezeichnen. - DTS 96/24. Ja,
schon wieder die "böse" Konkurrenz DTS: Ein herkömmlicher
DTS 96/24 Decoder übersieht die zusätzlichen Toninformationen,
welche das 96/24-Format gegenüber dem normalen DTS präsent
hat. Der neue Decoder formt aus dem 96/24-Teil zusammen mit der Standard
DTS-Spur ein highendiges Soundvergnügen in 96 kHz und 24 Bit
zum Vorteil gegenüber 48 kHz und 20 Bit. Hier ist die Abwärtskompatibilität
perfekt, da die erweiterten Ton-Informationen, welche zur Ausgabe
von 96 kHz und 24 Bit Sound nötig sind, nie in der normalen DTS-Spur
enthalten wären.
Die Verbreitung dieses Formats war bisher wenig berauschend. Das liegt weniger in der technischen Hinsicht, mehr der Tatsache, dass solch hochauflösender Ton bereits seit längerem und zugleich in unkomprimierter Form auf der DVD-Audio und SACD zu finden ist. Und natürlich der zum Teil fast schon berüchtigt schlechten Marketing-Abteilung der Firma. - Last but not least: Die heissgeliebten Surround EX Tonformate Dolby Digital 5.1 EX, DTS-ES 6.1 Matrix und DTS-ES 6.1 Discrete. Die drei Tonformate werden perfekt von 5.1 Receivern wiedergegeben, die Surround-Back Toninformationen erschallen von den Surround-Links und Surround-Rechts-Kanälen (technische Erläuterungen dazu im Abschnitt "Jetzt noch mehr Tonformate").
Diese Beispiele sind sehr wichtig für das Verständnis der Bedeutung von Abwärtskompatibilität. Sie bilden das Grundgerüst für die schnelle Verbreitung. Das Mehr an technischem, logistischen und finanziellem Aufwand und die rasant sinkende Bereitschaft die neue Ton-Errungenschaft im Falle von nicht gewährleisteter Abwärtskompatibilität einzusetzen, lassen sich bei jedem der aufgeführten Beispiele selbst erahnen.
Die grosse Frage ist nun, ob denn Dolby Digital Plus ebenfalls gegenüber Dolby Digital abwärtskompatibel sein wird. Denn zu diesem wichtigen Punkt gibt es erstaunlicherweise keine Fakten. Möglicherweise weiss das Dolby selbst noch nicht genau, weil die Entwicklung des Formats noch nicht abgeschlossen ist und diesbezüglich wohl mehrere Lösungsansätze existieren.
Ein
grosses Argument für ein Verneinen der vorangehenden Frage ist die
Tatsache, dass Dolby Digital im Gegensatz zu DTS nicht von Anfang an für
mehr als 6 Kanäle konzipiert wurde. Der zusätzliche vor dem
Millennium mit "The Phantom Menance" eingeführte Surround-Back-Kanal
konnte nur per Matrix-Codierung funktionieren um eine bleibende Abwärtskompatibilität
zu gewährleisten. Dolby dürfte es technisch schwer fallen noch
ein oder zwei weitere Kanäle per Matrix-Codierung hinzuzufügen.
Auch hier arbeitet das grundsätzliche Interesse von Dolby, ebenfalls
High-End-Qualitäten zu besitzen, dagegen. Denn in dieser Art der
mehrfachen Matrix-Codierung, sind die Ton-Kanäle alles andere als
diskret (einzeln voneinander getrennt). Wie schon genannt liegt die Natur
des Dolby Digital Tonformats aus einer Informationsspur, welche sechs
zum Grossteil voneinander getrennte Toninformationen der einzelnen Kanälen
enthält, sechs vollwertigen Kanäle zu generieren, während
DTS jede der sechs Informationsspuren (bei 5.1) zu jedem Kanal voneinander
getrennt decodiert und so sechs Kanäle daraus werden (alles natürlich
recht vereinfacht beschrieben).
Aufgrund dieser Gegebenheit wird wohl punkto noch mehr Kanäle Dolby
Digital Plus nicht abwärtskompatibel zum bisherigen Dolby Digital
sein.
96/24-Codierungen, welche abwärtskompatibel, also zukünftig von älteren Mehrkanal-l-Verstärkern und DVD-Playern decodiert werden können, sollten jedoch weniger ein Problem darstellen. DTS bietet ja schon mit DTS 96/24 eine perfekte Lösung an.
Bezüglich höherer Bitraten sind die Lösungsansätze recht schwierig und auch technisch gesehen schwer zu beurteilen. Dolby Digital erlaubt bisher nur bis zu 640 kbps. Lassen wir uns doch hier von Dolby überraschen.
Alternative Codierungsmöglichkeiten wie MLP oder AAC können natürlich vorgängigen Tonwandler unmöglich bekannt gemacht werden (nur High-End Geräte mit intelligenten Software-Update-Möglichkeiten). Treten diese Komprimierungsformate anstelle von AC-3 in Kraft, so ist eine Abwärtskompatibilität keinesfalls gewährleistet. Neue Mehrkanalverstärker oder Software-Updates müssten her.
Wie
wir sehen, lässt sich dieser wichtige Punkt, ob wir demnächst
DVD-Player oder Heimkino-Verstärker aufrüsten müssen, leider
kaum voraussagen. Betreiber von Home Theatre PCs, kurz HTPC, und Besitzer
von Software-Upgrade-fähigem Equipment werden wohl am leichtesten
den Umstieg schaffen.
Sofern, und dies darf auf keinen Fall vergessen werden, denn überhaupt
Dolby Digital Plus (oder wie das neue Format denn auch am Ende heissen
möge), auch jemals auf der heutigen DVD erscheinen wird. Wir können
dies nur befürworten, auch im Interesse von Dolby sich gegenüber
DTS zu behaupten.
Ebenfalls nicht unwahrscheinlich ist die Möglichkeit, dass DDPlus
erst mit der im Moment nur als Prototyp vorhandenen HD-DVD für hochauflösendes
Bild à la HDTV in die Heimkinos kommen wird.
Die
dritte Möglichkeit, dass Dolby das neue Format nur ins Kino und nicht
ins Heimkino bringen wird, können wir uns kaum vorstellen (in diesem
Falle wäre DVDSurround.ch eine der ersten Instanzen, welche "todbringende"
Drohbriefe an die Firma schickt). Denn im gut eingerichteten Heimkino,
wo es schön ruhig ist und Lautsprecher auf eine möglichst detailgenaue
Tonwiedergabe ausgerichtet sind und sehr häufig einiges hochwertiger
als im Kino sind, kommt es auf ein wirklich gutes Tonformat an.
Vielleicht wird Dolby Digital Plus sogar den Platz der DTS-CDs einnehmen,
dessen Firma im Moment aufgrund unglaubwürdiger, scheinbar klaustrophobischer
Angst vor Raubkopien die Kinos nicht mehr mit CD-ROMs beliefern wollen!?!
Zukunfts-Chancen
Wenn es Dolby gelingt, das neue Tonformat im Kino und vor allem auch auf DVD erfolgreich einzuführen, so wäre dies zweifellos eine grosse Bereicherung für den Sound-Enthusiasten.
Die grosse Frage ist, welche schon behandelt wurde, ob und inwiefern Dolby Digital Plus dem alten Format abwärtskompatibel wäre. Gehen wir von diesem Idealfall aus, so hätten wir im Kino und Heimkinobereich ein wahrlich universelles Format, welches die ganze Front von anspruchlosen Normal-Hörer bis sehr anspruchsvollen High-End-Bevorzugern abdeckt. Es wäre in der Lage, jedes bisher bekannte digitale Tonformat ohne Nachteile zu ersetzen und als alleiniges für alles nutzbare Tonformat seine Daseinsberechtigung zu erhalten. Weltweit und überall.
Also, ein Dolby Digital Plus, welches für jedes Tonwiedergabegerät alle Tonformate von Mono, über Stereo, 5.1, 6.1 bis zu zukünftigen noch weiteren Kanälen versorgen mag (Downmix-Fähigkeit) und das in jeder beliebigen Qualität und Bandbreite, von äusserst effektiven Kompressionsverfahren wie Advanced Audio Coding AAC, das gute alte AC-3, bis zum verlustfreien Meridian Lossless Packing MLP. Und das alles auch optional in 96 kHz und 24 Bit.
Nicht
zuletzt kann das neue Tonformat sofort auf jeder DVD anstelle der Dolby
Digital Spur eingesetzt werden, da jeder herkömmliche DVD-Player
ein altbekanntes Dolby Digital 5.1 Signal herauslesen kann. DVD-Player
und die zugehörigen Receiver der neuen Generation kommen in den Genuss
aller Vorteile von Dolby Digital Plus.
Das klingt nicht nur phantastisch, das ist es auch. Wenn die Abwärtskompatibilität
nicht gewährleistet wäre, so würde die Vision eines solch
universellen Tonformates keineswegs aussterben. Dies ist leider anzunehmen,
da der Idealfall bekanntlich meist nur in der Theorie lebt. Dolby Digital
Plus würde es erheblich schwerer haben, sich durchzusetzen. Besonders
auf der DVD. Denn hier könnte Dolby Digital Plus nicht das Dolby
Digital Format ersetzen, da sonst Millionen von Abspielgeräten mit
der neuen DDPlus-DVD nichts anzufangen wüssten. Es müsste als
zweite Tonspur auf die DVD. Diese böte dann die Vorteile des neuen
Formats, jedoch genau solche, welche bisher auch das Alternativ-Format
DTS lieferte. Dieser wichtige Punkt wird im nächsten Abschnitt behandelt.
Dolby Digital Plus vs. DTS heute
Schauen wir uns die Vorteile von Dolby Digital Plus (welche wie schon öfters angedeutet, aber natürlich noch nicht definitiv vorliegen) noch einmal an. Hierbei wird klar, dass DTS den grössten Teil der neuen Errungenschaften bereits heute auf seiner Seite hat! DTS beherrscht auch hohe Bitraten bis zu 1536 kbps, DTS kann jederzeit neue Tonkanäle einführen (maximal 32), mit dem DTS-ES 6.1 Discrete Kanal bereits einmal geschehen. DTS kann seit neustem auch 96/24, wenn auch das Softwareangebot dazu um einiges hinterher hinkt. Das sind die Punkte, die das neue Dolby Digital erst wettmachen muss um überhaupt auf das Niveau des Konkurrenten aufzusteigen.
Um eine Chance in der heutigen Zeit des hochentwickelten Mehrkanal-Tons zu haben, muss Dolby Digital Plus natürlich einiges mehr bieten. Dolbys Ziel muss mehr sein, als einfach ein erweitertes Tonformat zu entwerfen, welches ebenfalls wie DTS High-End Qualitäten mit sich bringt. Dolby Digital Plus kann nur die erfolgreiche Etablierung gelingen, wenn stark in Richtung universelles Tonformat gearbeitet wird, welches jedes bisher existente Tonformat ohne Nachteile ersetzen kann. Nur so ist es möglich mit einem neuen Format überhaupt Chancen zu haben, sich gegen DTS durchzusetzen. Denn die Richtung die DDPlus einschlägt, geht ganz klar auf die gleiche Schiene von DTS, von da nur ein Weg weiterführen kann.
Der Vergleich mit DTS ist ganz entscheidend in der Frage, wie gut sich Dolby Digital Plus durchsetzen kann.
Jetzt noch mehr Kanäle?
Dolby möchte dem Wunsch einiger Sound-Designer und Innovations-Liebhaber im Filmbereich nachkommen und die Möglichkeit bieten, weitere Tonkanäle zu unterstützen. Erste Annahmen gehen davon aus, dass es sich um den bereits experimentell existenten Höhen- oder Deckenkanal handelt und um einen zweiten Kanal ebenfalls oberhalb des Bildes (Leinwand). Das Ziel also klar in der Richtung von Raumgewinnung durch Erweiterung der vertikalen Richtung. Bis jetzt befinden sich bekanntlicherweise alle Kanäle auf einer mehr oder minder horizontal verlaufender Ebene.
Ohne jetzt weiter die Vorteile einer solchen Lautsprecheraufstellung genauer unter die Lupe zu nehmen, ist die Entwicklung in diese Richtung durchaus zu begrüssen, denn genau hier ist noch einiges an Potential übrig um zu noch räumlicheren und realistischeren oder effektvollerem Raumklang und somit zum besten Klangerlebnis zu kommen.
Warum
brauchen wir den dazu Dolby Digital Plus? DTS kann ohne grossen logistischen
und technischen Aufwand mit zweimal Finger schnippen solch zwei weitere
Tonkanäle hinzufügen, was dann als DTS 8.1 resultierte. Diese
Frage ist ganz klar berechtigt.
Wieder aus der Sicht der niemals zu unterschätzenden Abwärtskompatibilität
gesehen, brauchen wir vielleicht Dolby Digital Plus schon. Was passiert,
wenn unser nur in der Vorstellung existentes DTS 8.1 einem 5.1 oder 6.1
fähigem DTS-Decoder eingespiesen wird? Der 5.1 od. 6.1 Receiver wird
die beiden Kanäle einfach übersehen, so wie das bereits Realität
ist bei DTS-ES 6.1 Discrete, bei dessen der diskrete Surround-Back Kanal
von einem nur DTS 5.1-fähigen Receiver einfach übersehen wird.
Damit in diesem Falle die Tonanteile dieses diskreten Kanals nicht einfach
im Nirwana verschwinden, sind diese Tonanteile ebenfalls im linken und
rechtem Surround-Kanal enthalten, und zwar in matrixcodierter Form wie
bei der Dolby Surround Technik. Damit diese Tonanteile bei 6.1 Wiedergabe
nicht auch noch wiedergegeben werden, da sie ja bereits in diskreter Form
im Surround-Back enthalten sind, werden diese per Matrix-Decodierung ebenfalls
herausgelesen, aber im Gegensatz zu DTS-ES 6.1 Matrix (oder auch Dolby
Digital 5.1 EX) nicht wiedergegeben, sondern salopp gesagt "herausgelöscht".
Diese Auslöschung funktioniert in der Praxis sehr gut, technisch
bedingt aber nie ganz perfekt, da sich ein Matrix-Signal niemals perfekt
von den restlichen Toninformationen trennen lässt. Beschweren hat
und wird sich niemand, denn trotz dieses kleinem Mankos ist DTS-ES 6.1
Discrete bezüglich Kanaltrennung den beiden anderen nur matrix-basierten
Surround EX Tonformaten DD 5.1 EX und DTS-ES 6.1 Matrix klar im Vorteil.
Dank dem Matrix-Verfahren wird hier also trotz des neuen diskreten Kanals
die Abwärtskompatibilität sehr gut gelöst.
Zurück
zu 8.1: In welchen Kanälen sollen denn diese beiden Kanäle in
Matrix-Codierter Form gespeichert sein? Niemand will gerne bei 8.1-DTS
die Toninformationen von den zwei erweiterten Kanälen einfach vermissen,
d.h. von keinem Lautsprecher wiedergegeben, wenn der Receiver nur 5.1
oder 6.1 beherrscht. Den Deckenkanal liesse sich in den vier Eck-Kanälen
Front-Links, Front-Rechts, Surround-Links und Surround-Rechts in matrixcodierter
Form unterbringen. Da die beiden Surround-Kanäle je nach Film eventuell
bereits ein Matrix-Signal des Surround-Back enthalten, müsste es
in die andere Richtung phasenverschoben werden (mehr zu dieser Technik
einem zukünftigen DVDSurround Bericht).
Und den Kanal, den es vielleicht zukünftig oberhalb der Leinwand
geben soll? Erkönnte in den beiden äusseren Front-Kanälen
codiert werden, wieder in die andere Richtung phasenverschoben, um nicht
dem Signal des Deckenkanals in die Quere zu kommen.
So weit so gut, ist das Problem technisch also mit einem "Matrix-vollgestopften"
Tonsignal noch lösbar. Diese Matrix-Signale müssten natürlich
bei einem stolzen 8.1 Receiver wieder herausgelöscht werden. Würde
funktionieren, aber echte High-Ender haben eigentlich mehr verdient. Warum
denn nicht einfach 8.1 pur? Bei noch mehr Kanälen mit "Matrix-Flickerei"
wird's dann übel.
DTS könnte natürlich diese Matrix-Informationen gar nicht einsetzen.
Diese sind nur da, um die wichtige Abwärtskompatibilität zu
gewährleisten. So wäre jedoch die 8.1-Tonspur nur auch bei solch
ausgestatteten Receivern nutzbar. Für die restliche Gemeinde, welche
vor allem am Anfang äusserst gross sein würde, müsste eine
zweite alternative Tonspur in Form von DTS 5.1 oder DD 5.1 her . Alles
möglich, keine Frage.
Wir
befinden uns jedoch immer noch beim Punkt, warum wir Dolby Digital Plus
punkto mehr Kanäle wirklich gebrauchen könnten. Von dem kleinen
Kasten im Audiovision 11/03 entnehmen wir die Wortfolge "frei konfigurierbar".
Das heisst, jeder Kanal kann einem bestimmten Lautsprecher zugewiesen
werden. Dieser Punkt ist ganz wichtig für ein universelles Tonformat,
welches Dolby Digital Plus werden soll, von dessen Annahme wir fast zwingend
ausgehen müssen, wenn DDPlus nicht einfach eine andere Art von DTS-Ton
zu werden versucht.
Denn wenn zukünftig noch mehr Kanäle Realität werden, wird
möglicherweise nicht jeder Tondesigner alle Kanäle nutzen willen.
Ein Gary Rydstrom will alles haben, dass er kriegen kann, das dürfte
klar sein. Ein anderer möchte vielleicht eine möglichst gute
Front-Beschallung im Film haben, jedoch auf den Decken-Kanal verzichten,
ein weiterer vielleicht genau umgekehrt. Einige vielleicht sogar die drei
altbekannten Frontkanäle mit dem Kanal oberhalb der Leinwand, dafür
ohne Surround-EX und Deckenkanal.
Der
Fall hier ist also klar, die einzelnen Kanäle müssen frei konfigurierbar
sein. Jeder einzelne muss eine Information enthalten, wo genau der Ton
hin muss. Der Receiver kümmert sich dann um die Verteilung der einzelnen
Tonsignale.
Wäre doch genial, wenn Dolby Digital Plus in Zukunft einmal die Möglichkeit
bieten würde, das 8-Kanal Master für die SDDS-8 Tonspur im Kino
für die DVD in Form von Dolby Digital Plus liefern würde.
Für dies braucht es Dolby Digital Plus, welche hier und auch andersweitig eine entgültige Lösung liefern kann.
Abschluss - Die Vision
Und selbst wenn es DTS gelingen würde, ebenfalls frei konfigurierbare Tonkanäle zu bieten, hätte Dolby Digital Plus immer weitere Vorteile. Die Chance ein universelles Tonformat zu sein, für alles und für jeden. Denn DTS ist nur für den Mehrkanal-Bereich da, von Downmix zu Stereo keine Spur. Von Platz sparender Komprimierung für Broadcasting und sonstigen Datentransport auch keine Spur. Hier hat schon Dolby Digital seit je her einen klaren Vorteil. Und wenn wir diese bereits vorhandenen Qualitäten mit den neuen vielleicht noch kommenden Qualitäten verbinden, könnte daraus eine wirklich tolle Sache entstehen.
Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen vertrauen wir Dolby, dass das Unternehmen die Ideen und noch nötigen Verbesserungen zu einem gelungenen Resultat zu machen fähig sind. Wir räumen Dolby eine gute Chance ein, sich mit dem neuen Format zu etablieren.
Dolby Digital Plus wird im fertigen Zustand vielleicht anders aussehen, als wir es uns hier ausgemalt haben und einige Absätze werden weniger oder zusätzliche Gültigkeit haben. Jedoch geht es in diesem Bericht auch vor allem um die Problematik ein solches Projekt, wie es Dolby gerade anpackt, in Angriff zu nehmen.